Corona und das Sinnlose als Herausforderung für die Predigt

Viele Predigten in den unterschiedlichsten Kirchen landauf landab haben sich in den letzten Wochen angesichts des Coronalockdowns als Mutmachpredigten verstanden. Weil die Situation so … na, was eigentlich? Richtig schlimm war sie in Deutschland ja nicht. Nicht mal andeutungsweise. Das Schlimme kommt ja vielleicht erst noch. Wenn die Wirtschaft nicht wieder hochfährt und wir feststellen, dass wir nicht da einfach weitermachen können, wo wir so schnell aufgehört haben.

Die Situation ist gesamtgesellschaftlich so harmlos, dass es reichlich realen und vor allem virtuellen Platz für Verschwörungstheorien gibt, die alle Lockdownmaßnahmen infrage stellen, weil es Corona ja nicht gibt, alles nur die Lüge ist und wir zu dumm für Demokratie sind.

Corona, das Virus, das alles lahmlegt, startet einen globalen Feldzug. Wir kommen damit nicht zurecht. Wir kleben das Etikett „Pandemie“ drauf, um Maßnahmen zu rechtfertigen, die einmalig sind.

Was uns geprägt hat, ist die Unsicherheit der letzten Wochen und der nächsten Monate. Unsicherheit im Umgang mit dem alltäglichen Leben, Beziehungen… Was uns geprägt hat, war die Wucht des Sinnlosen, das sich eine sinnenhaften Deutung entzieht.

Viel zu schnell wurden Mutmachpredigten ins Land gestreamt. Denn die Menschen waren nicht mutlos, sondern verunsichert. Die Unsicherheit hat ihren letzten Grund im Nichtumgehenkönnen mit dem Sinnlosen. Weil wir gelernt haben und immer wieder lernen, dass es einen Sinn geben muss im Leben.

Genau dieser Sinn war aber nicht auffindbar. Ich habe im letzten Artikel dafür plädiert, das Sinnlose als das Sinnlose erstmal stehen zu lassen und nicht gleich in irgendeine Sinnhaftigkeit umzudeuten.

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Kirche, die das nicht kann und immer gleich weiß, was Gott sich dabei gedacht hat, macht sich nun wirklich gänzlich überflüssig. Kirchliche Deuter, die wissen, was das alles soll mit solchen Zumutungen wie Corona, fühlen sich vielleicht etwas wissender und damit überlegen. Aber am Ende ist das nur Bauernfängerei.

Darum gab es zu Recht eine so große Zurückhaltung im Deuten der aktuellen Situation. Aber dieses Schweigen muss ein konstruktives Schweigen sein. Nicht weil Kirche sich ergibt oder durch das Nichtdeuten selber marginalisieren würde.

Die Erfahrung des Sinnlosen gehört zum Leben dazu. In unserer behüteten federweich gebetteten Welt, betraf es dieses mal aber nicht den Einzelnen, sondern hatte gesellschaftliche Ausmaße. Dieses mal hat es nicht den Nachbarn getroffen, der Krebs bekam oder dessen Frau auszog, dessen Kind bei einem Unfall starb, sondern es betraf uns alle. Die Sinnlosigkeit ließ sich aber kaum fassen. Bis heute nicht.

Das Sinnlose ist wie das finstere Tal. Psalm 23 ist eine einzige Zumutung. Wir verniedlichen diesen Psalm ja so oft und malen kleine Schäfchen neben den Texte und verkaufen das als Postkarten. Aber dieser Psalm ist für alle Deutungsversuche so herausfordernd, weil er das finstere Tal eben nicht deutet, sondern einfach nur als solches benennt. Viel zu schnell sind wir bei der Auflösung des Problems. Viel zu schnell sind wir beim gedeckten Tisch und dem tröstenden Stecken und Stab.

Der Psalm ist nicht kitschig und malt keine schönen Bilder, sondern zeigt im Grunde ja erstmal die Erfahrung des Sinnlosen auf. Also, was ich als sinnlos erfahre und erlebe. Dabei kommt es aber gar nicht darauf an, gegen das Sinnlose zu kämpfen. Auch nicht, indem ich es versuche in den Griff zu bekommen, indem ich eine wie auch immer geartete Deutung hineinlege und so aus Sinnlosigkeit etwas Sinnhaftes mache.

Sondern der Umgang mit dem Sinnlosen ist das Entscheidende. Eben das „Herauskommen“ und „Hindurchkommen.“

„Ich fürchte kein Unglück“. Dieses Nicht-Fürchten ist keine große Glaubensaussage. Zu viele Psalmen beinhalten Worte, die wir uns nicht mehr zu beten trauen, will das Sinnlose als das Sinnlose benannt wird. Weil man mit wenig Vertrauen im finstren Tal steht, weil Feinde einem nach der Ehre trachten und so den gesellschaftlichen Tod wollen. Viele Psalmen sind ein einziger Schrei nach Befreiung aus dem Sinnlosen.

Das Sinnlose ist sinnlos. Aber das Sinnlose ist vielleicht die radikalste Aufforderung und damit auch Möglichkeit, mit dem Leben neu umgehen zu müssen. Das Dumme ist eben: Wir werden nicht gefragt, ob wir eine solche Lernerfahrung machen wollen. Das Sinnlose stellt sich uns einfach in den Weg. Und wir können es nicht bearbeiten durch Deutung und verborgenes Geheimwissen, durch Prophetie oder Ignoranz. Sondern indem wir uns durchmogeln und wieder neu ins Leben finden. Das Sinnlose wird so, modern gesprochen, zur Lernerfahrung, die keiner braucht. Die aber zum Leben dazu gehört.

Wir sollten alle Deutungsversuche also unterlassen und das Sinnlose als solches auch verstehen und dann uns selber und die anderen zum Leben wieder einladen. Wobei die Chance ja darin besteht, dass das Leben neu gewichtet, neu verstanden und so neu gelebt wird.

„Ich fürchte kein Unglück“ ist die Gelassenheit, die weiß, dass es das Sinnlose im Leben gibt. Dass wir diese nicht verhindern und schon garnicht durch selbstoptimierte Programme, auch keine frommen, dagegen ankämpfen können. Es gibt keine Glaubensstrategie gegen das Sinnlose. Es gibt keine Siegermentalität, um sich davor zu schützen.

Glauben ist nicht der Sieg über die Sinnlosigkeit. Sondern Glaube besteht in der Zuversicht, dass das Sinnlose nicht das letzte Wort ist. Glaube reißt den Horizont auf, wenn auch ganz vorsichtig und zurückhaltend, und verweist auf das Licht am Ende des finstren Tales. Das ist kein billiger Trost. Das ist nicht mal mutmachend. Sondern zutiefst menschlich.

Kirche sollte zum Leben einladen. Aber nicht billig, sondern gerade angesichts des Sinnlosen.

Manchmal ist es besser mit keiner Botschaft anzufangen, um eine Botschaft zu formulieren: Oder. Corona und kirchliche Predigt sind keine Freunde

Es ist wirklich mehr als kompliziert in Zeiten der Coronapandemie mal etwas anderes zu denken als daran, welche Auswirkungen dieser Virus auf das Leben hat. 
Die Kirche versucht nun, einen Umgang damit zu finden. Die Livestreams, die aus dem Internetboden schießen, sind unüberschaubar. So hat man jedenfalls das Gefühl, weil es eine Menge Kirchen gibt, die in Zeiten von Kontaktverbot, so Kirche in neue Formen gießen und Kontakt neu definieren. Das ist erstaunlich und bewundernswert. Ich will am Anfang wirklich meine Wertschätzung Ausdruck verleihen. Das meine ich ehrlich. Es sind tolle Projekte und mit Hingabe wird da einiges erreicht. 

Was mich ein wenig verunsichert, sind die Botschaften, die in die Welt gestreamt werden. Denn es gibt meistens die Hinweise, dass man in Zeiten von Angst und Panik keine Angst und keine Panik haben bräuchte. Weil Gott ja helfen wird. Das hört sich sehr christlich an. Mag sein. Aber diese Aussage ist so grundsätzlich, wird mir aber viel zu schnell verteilt. 
Mir geht es so, dass ich über die aktuellen Entwicklungen staune. Die Dynamik, in der wir stecken, wo wir jeden Tag neu überrollt werden von Informationen und damit verbundenen Bewertungen, die unser Leben immer mehr reduzieren. Ich staune, weil Sicherheiten wegbrechen und wir noch gar nicht wissen, was das mal bedeuten wird. Es ist ein unsicheres Staunen, kein bewunderndes. Weil viele Menschen sich an einen neuen Rhythmus gewöhnen müssen, während andere auf eine berufliche Überforderung zusteuern, weil sie das Gesundheitssystem am Laufen halten müssen. Selbstverständlichkeiten brechen weg und werden zu Fragezeichen. Wir müssen irgendwie viele Dinge neu regeln – Und jeden Tag gibt es einen neuen Reglungsbedarf. 

Ich bin weit weg von Panik und Angst. Mein Humor habe ich nicht verloren. Was auch stimmt: Ich mache mir Sorgen um Menschen, die zu den Risikogruppen gehören und an deren Grab ich in naher Zukunft nicht stehen will. Meine Sorge ist weit weg von Panik, Angst und Hoffnungslosigkeit. Mein Zustand ist eher der des sorgenangereicherten ungläubigen Staunens. 
Darum tue ich mich auch schwer, so vielen Autoren und Rednerinnen von christlichen Internet-Botschaften zuzuhören. Denn dort wird in einer Art kurzschlusstheologischer Emsigkeit vor Panik, Hoffnungslosigkeit und Angst gewarnt. Ich habe aber den Eindruck, dass man erst mit eindringlichen und betroffen Stimmen genau das erzeugt, um hinterher eine schöne Bibelstelle draufzukleben. 


Ich hätte mir Livestreams gewünscht, die auf emotionsüberladenen Stimmen verzichten, wo man stimmlich Hoffnung hervorpressen will, indem man betont wie sehr man Gott vertrauen könne, weil man unter dem Schirm des Höchsten sitzt oder das Blut Jesu stärker sei, oder ein geweihtes Wasser purer Segen bedeutet. 
Was gut gemeint ist, betrifft aber vielleicht nur einen Teil der Menschen. Denn die meisten Menschen sind noch im Modus, des Zurechtfindens und Überfordertseins. Darum hätte es noch ganz andere Botschaften geben müssen, als diese gängigen, die nun überall zu hören sind. Wenn Kirche es mit ihrer Kurzschlusstheologie nicht übertreiben würde, könnte sie relevant werden. 


Kurzschlusstheologie bedeutet in diesem Fall, die überstarke Vereinfachung von Realität und das Herstellen von, etwas aufgesetzten, Zusammenhängen. Das geht in Coronazeiten so: Ein solche große Krise, wie die aktuelle, erzeugt bestimmt Angst und Panik und Christen setzen dagegen, dass Gott helfen wird. Manche setzen noch einen drauf und ergehen sich in Appellen, mehr denn je zu beten, weil das Gebet eine Macht ist, man müsse ja nur darauf vertrauen. Dann wird alles anders werden.


Ich finde, dass Kirche in solchen Zeiten etwas zurückhaltender sein sollte mit panikerzeugenden Predigten gegen die Panik, mit Parolen, die am Ende zu flach sind und darum zu Recht verhallen werden. Die Welt da draußen ist gar nicht hoffnungslos, (weshalb es keine Bibeltexte über Hoffnung zur Zeit braucht – was aber noch kommen kann), sondern im Modus des sich neu Erfindens und das jeden Tag. Das ist mit Unsicherheit verbunden und auch Sorgen, auch Überwältigtsein. Aber anstatt über Angst zu reden, sollten wir nicht sagen, was man zu unterlassen hat (Nicht in Panik verfallen, keine Angst haben usw.), sondern, was man konkret machen kann. 

Wer erst Panik schürt, um hinterher ein Bibelvers draufzulegen, ist nicht glaubwürdig


Und das fängt damit an, die Unsicherheit zu zulassen und erstmal die Klappe zu halten und auf alle möglichen Botschaften zu verzichten. Das heißt nicht, dass man nichts sagen kann. Aber was man sagen sollte, sollte nicht im Panikmodus, den man zu bekämpfen sucht, verfasst sein. Die Botschaften sollten in der Momentaufnahme bestehen, das Anerkennen und Registrieren von Krise, von manchmal Nicht-Wissen, was man machen soll, von neuen Möglichkeiten, die sich ergeben, von geforderter Leidenschaft und Kreativität, von einem anstehenden Neusortieren angesichts von Überforderung, Verdrängen und manchen Sorgen.

Ich jedenfalls staune, über diese Krise und das etwas abschreckende Krisenmanagement mancher Kirche. Wobei… das ist auch nebensächlich. Hauptsächlich staune ich wie zerbrechlich unser gewohntes Leben ist… Und welche Herausforderungen das mit sich bringt. Das überblicke ich noch gar nicht. 

Da bin ich froh, über die Streams und Podcast, die dieses Gefühl erst einmal aufnehmen und gekonnt in Sprache kleiden…

Gott ist Liebe! … ist das alles?


Die moderne Kirche, vor allem protestantischer Prägung in allen Varianten, predigt heutzutage (fast) nur noch, dass Gott Liebe ist. 
Das ist sehr beeindruckend, weil man allerorten das Gefühl hat, dass man die falschen Gottesbilder endlich hinter sich gelassen habe und den wahren Kern der Bibel herausgeschält hätte: Gott ist Liebe. Das ist der Gipfel der Theologie, das ist die Tiefe der Bibel und das ist das, was man heute noch über Gott sagen kann. Und darf. 
Gott ist die Liebe schlechthin. Das ist der theologische Grundstandard und darin fühlt man sich nun zu Hause. Alles wird nun durch diese Brille neu gesehen. So wird die Bibel zu einem einzigartigen Liebesbrief Gottes. Die Lieder in den Gottesdiensten werden immer emotionaler und liebesbetonter. 
Es könnte so schön sein. Wenn es nicht eine unzulässige Reduzierung wäre. Ich bin nicht sicher, ob diese Entwicklung aufgrund intensiver theologischer Arbeit stattfindet, oder nur, weil man genau diese verweigert mit seinen üblichen Brillen einfach die Bibel liest. 
Wie auch immer. Das Ergebnis ist eine einzige Katastrophe. Denn das Leben ist mehr als Liebe. Das Leben ist voller Widersprüche, voller Brüche und voller großer und kleiner Katastrophen. Das Leben ist merkwürdig und spannungsvoll, ist, um es auf den Punkt zu bringen, eine Menge mehr als Liebe. 
Man muss die folgende Beobachtung nicht teilen. Aber vielleicht regt sie an, seinen theologischen Blickwinkel mal wieder zu erweitern 
Die Liebe ist nicht immer der Ausgangspunkt, um Gott zu verstehen. Das ist in der Bibel meistens der Begriff Gerechtigkeit. Dieser Begriff, der aufgrund der lutherischen Reduzierung, heute immer mehr wegbricht, ist als Ausgangspunkt, um Gott zu verstehen, besser geeignet. Denn das Grundproblem der Menschen zu allen Zeiten ist die Gerechtigkeit. Was gerecht ist, wie gerechtes Leben aussieht – das sind die Urfragen der Menschen, die immer gestellt werden. Offen und verdeckt. In jedem Wahlkampf, in jeder Auseinandersetzung zwischen Kindern. Gott als die Liebe ist die Antwort auf dieses Problem und diese Urfragen. 
Der Begriff der Gerechtigkeit ist besser geeignet, um die Tür zu einer lebensnahen Theologie aufzustoßen, als die Reduzierung auf die Liebe. Dazu wäre aber eine gewisse theologische Arbeit notwendig, die sich den biblischen Texten stellt und das Leben im Blick behält. Die eben die allgemeinen Sprachblasen, die auf Kanzeln und Bühnen erzeugt werden, überwinden würde Das Ziel wäre es, die Tiefe der Bibel zurückzugewinnen in all ihren Facetten. Denn genau das passiert bei dem Einschießen auf den Gott der Liebe als Ursprung und Ziel: Wir reduzieren das Leben und damit Gott auf unzulässige Weise und schießen uns selber als Kirchen ins Abseits, weil wir nichts mehr Relevantes zum Leben zu sagen zu haben. 
Wer heute relevant predigen will, müsste sich vielleicht doch mal wieder der Bandbreite der biblischen Begriffe zuwenden und ernsthaft nachdenken, ob meine Reduzierungen aufgrund theologisch gewichtiger Entscheidungen vorgenommen werden, oder aufgrund von der Verweigerung der theologischen Arbeit.

Vielleicht verwechseln wir in unseren Predigten auch einfach nur den biblischen Gott der Liebe mit unseren romantischen Vorstellungen von Liebe und projizieren diese auf Gott?

Es fühlt sich ein wenig so an. 

Schafft die Predigt ab! …oder doch nicht?

Es gibt viele Ideen, um die Kirchen weiterzuentwickeln, also wieder relevant zu machen. Manche dieser Ideen klingen radikal. Es gibt z.B. die, die Predigt abzuschaffen. 

Wie etwa Hanna Jacobs in der Zeit: 
https://www.zeit.de/2018/44/religioese-reden-predigt-abschaffung-sermon-kanzel?page=4#comments 

Sie predigt selber wohl gerne, weil sie selber sich mit den biblischen Texten auseinandersetzen kann und das gibt ihr selber am meisten. Aber die Zeit der Predigt als mündlichen Vortrag sollte man ihrer Meinung nach besser schnell abschaffen, um noch zu retten, was zu retten ist. 

Die Überlegung hat etwas. Zumindest, um sich klar zu werden, was man denn eigentlich mit solch Selbstverständlichkeiten noch anfangen kann, wie sie die Predigt nun mal ist. Braucht man die Predigt oder müsste man als Kirche nicht weniger monologisierend auftreten? 
Ich möchte mal einen neuen Blick eröffnen. Wir leben als Menschen immer in einer Welt der Botschaften. Das war zu allen Zeiten so. Menschen werden durch Botschaften geführt, geprägt und inspiriert. Sie werden durch Botschaften auch verführt und entmutigt. Das ist auch Fakt. 
Wir leben heute im Unterschied zu früheren Zeiten aber in einer Welt einer unübersichtlichen Vielfalt an Botschaften. Botschaften, die wir kaum erfassen und richtig einordnen können. Denn Botschaften werden nicht durch ihre Sachlichkeit und damit sachlichen Relevanz relevant, sondern durch funktionierendes Marketing.
Menschen hören zu. Nach wie vor. Sie wollen Botschaften, lieben Geschichten, wollen ermutigt und angeleitet werden. Sie suchen Orientierung. Hier sollte Kirche ansetzen, um ihr Selbstverständnis neu zu entwickeln. Es geht um das Bedürfnis des modernen Menschen. Wer das endlich ernst nimmt, kann auch heute noch Menschen erreichen. Auch mit einer Predigt. 
Anders herum gefragt: Warum sollte Kirche darauf verzichten, hier eine Rolle zu spielen? Warum sollte man sich nicht diesen Kampf um das Gehörtwerden stellen? Warum sollte Kirche nicht ihre Botschaft an den Mann und die Frau bringen wollen? 
Es gibt keine Begründung dafür, darauf zu verzichten, dass Kirche eine Botschaft hat. Aber sie müsste sich dem aktuellen „Kampf“ auch stellen, und beim Menschen anfangen. Also zu verstehen, wie er tickt, wie er denkt. Dann kann man tatsächlich auch heute noch mit Selbstbewusstsein auf die Kanzel, oder Bühne treten, um etwas zu sagen. 
Die Predigt abschaffen? Nein. Denn die Predigt ist das beste Positionierungsmerkmal, das die Kirche noch hat. Facebook oder ein Instagramaccount zu pflegen, ist immer nur Beiwerk. Notwendiges Beiwerk. Aber nicht das Eigentliche. Es braucht auch andere Formen, die man erfinden und entwickeln sollte.

Aber im Kern wird die Predigt als beste Form der Botschaftsweitergabe Kirche auch weiterhin ausmachen. Man müsste nur die Inhalte relevanter machen!