Erstaunlich: Kirchenmenschen sind in Zeiten des Lockdowns erstaunt darüber, dass Kirche nicht systemrelevant ist

Baumärkte durften nach dem flächendeckenden Herunterfahren des öffentlichen Lebens im März 2020 in manchen Bundesländern geöffnet bleiben. Kirchen hingegen mussten überall schließen. Die Begründung für diese Differenzierung liegt im Begriff „systemrelevant“. Und so gab es kirchlicherseits ein großes Erstaunen darüber, dass man als „nicht-systemrelevant“ eingestuft wurde.

Das wirklich Erstaunliche daran aber ist, dass Kirchenmenschen erstaunt waren. Denn dass die Kirche keinerlei Relevanz mehr hat, geschweige denn eine gewisse Systemrelevanz, ist seit Jahren offenkundig. Darauf hätte man auch schonmal vorher kommen können. Aber wir Kirchen haben einfach zu viele Mechanismen in unseren Tagesablauf oder Kirchenjahr eingebaut, um diese Erkenntnis zu verhindern. Wir fahren zu Konferenzen, klopfen uns gegenseitig auf die Schulter und beschwören unsere eigene Wichtigkeit. Wir schaffen uns immer wieder bei solchen und ähnlichen Punkten das gute Gefühl des Bedeutsamen. Aber egal, wie wichtig wir uns fühlen mit der Bibel unterm Arm, die Wahrnehmung der Menschen, die schon seit Jahren keine Bibel mehr lesen, ist eine ganz andere. Sie nehmen uns eben gar nicht mehr war. Sie geben uns keine Bedeutung.

So muss man feststellen, Kirche ist nicht nur nicht systemrelevant, sondern gar nicht mehr relevant. Erstaunlich, wer sich darüber jetzt aufregt.

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